Medikamente
Uns liegt es am Herzen, betroffene Frauen möglichst gut zu Therapiemöglichkeiten aufzuklären. Damit eine selbstbestimmte Entscheidung auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand, gemeinsam mit dem Behandlungs-Team möglich ist. Es ist wichtig, möglichst viel über Deine Erkrankung und deren Therapie zu wissen. Um mitreden zu können, kritisch nachzufragen und die bestmögliche Behandlung im Zweifelsfall zu erstreiten.
Frag Dein Behandlungs-Team, ob eine Behandlung mit einem Medikament für Dich in Deiner individuellen Situation möglich ist und empfohlen wird, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen und wie die Wirksamkeit einzuschätzen ist. Hole dir ggf. eine Zweitmeinung ein!
Die neueste Therapie gegen Eierstockkrebs: ADCs
Was heißt das überhaupt: ADC?
Das ist eine Abkürzung für
Antibody = Antikörper
Drug = Wirkstoff
Conjugate = Konjugat (Verbindung)
Und was genau ist das?
ADCs sind eine relativ neue Art von Medikament, die in der Krebsbehandlung eingesetzt werden. Deren Entwicklung, frühe Forschungsarbeiten und klinische Studien, begannen bereits in den 1980er Jahren. Das erste ADC wurde 2000 zur Behandlung von akuter myeloischer Leukämie zugelassen. Das erste ADC gegen Eierstockkrebs, Mirvetuximab Soravtansine, Handelsname Elahere, wurde im November 2024 in der EU zugelassen.
ADCs bestehen aus drei Bestandteilen:
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Der Antikörper: Dies ist ein Protein, das speziell dafür entwickelt wurde, bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche einer Krebszelle zu erkennen und daran zu binden.
Diese Rezeptoren, auch Antigene genannt, sind häufig spezifische Proteine, die in erhöhten Mengen auf Krebszellen vorkommen.
Übrigens enden Antikörper meist auf „-ab“, was für das englische „antibody“ steht, z..B. Mirvetuximab, Pembrolizumab, Bevacizumab. -
Der Wirkstoff: meist ein Zytostatikum, eine chemische Substanz, die Krebszellen tötet.
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Die Verbindungsstelle zwischen Antikörper und Wirkstoff. Sie wird auch „Linker“ genannt, und sorgt dafür, dass der Wirkstoff nur freigesetzt wird, wenn der Antikörper an der Krebszelle angedockt ist.
Wie wirken die ADCs?
Das Medikament wird, wie die meisten anderen Chemotherapien, als Infusionslösung über die Vene, idealerweise einen Port, gegeben. Nach der Verabreichung bindet der Antikörper an den spezifischen Rezeptor auf den Tumorzellen. Dadurch wird das ganze Konjugat in die Krebszelle aufgenommen. In den Zellen wird der Antikörper abgebaut und somit der zytostatische Wirkstoff freigesetzt. Dieser hemmt die Zellteilung oder setzt andere zellschädigende Mechanismen in Gang, was schließlich zum Zelltod (Apoptose) führt.
Haben ADCs Nebenwirkungen?
Ja, leider.
Nicht nur Krebszellen, sondern auch manche „gesunde“ Zellen „exprimieren“ bestimmte Antigene. Das heißt, Zellen produzieren bestimmte Proteine oder Moleküle und präsentieren diese an ihre Zelloberfläche.
Mirvetuximab Soravtansine bindet an den Folatrezeptor Alpha. Dieser wird oft auf Eierstock-Krebszellen exprimiert. Folatrezeptor Alpha kann jedoch auch auf „schnell wachsendem Gewebe“, wie zum Beispiel auf bestimmten lymphatischen Zellen, oder in geringem Umfang auch auf „normalen“ Zellen vorkommen. So kann der zytostatische Wirkstoff gleichfalls gesunde Zellen töten.
Selten kann es vorkommen, dass sich geringe Mengen Wirkstoff bereits in der Blutbahn vom Antikörper lösen und so Nebenwirkungen verursachen.
Die Nebenwirkungen bisher zugelassener ADCs sind die der herkömmlichen Chemotherapien, jedoch in geringerem Umfang.
Nebenwirkungen können sein: Blutbildveränderungen, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Müdigkeit, Hautausschläge, Belastungen der Leber.
Eine Besonderheit bei dem ADC Mirvetuximab Soravtansine ist die mögliche Veränderung des Sehvermögens, was jedoch mit regelmäßig angewandten Augentropfen beherrschbar ist.
Wann bekomme ich Mirvetuximab Soravtansine als Therapie?
Dieser ADC, Elahere, ist aktuell nur für platinresistenten, hochgradigen, serösen, epithelialen Eierstockkrebs zugelassen, der Folatrezeptor Alpha positiv ist. Ferner müssen die Patientinnen mindestens eine vorherige Behandlung erhalten haben.
Platinresistent bedeutet, das der Tumor nicht mehr auf platinhaltige Chemotherapeutika anspricht. Für diese Form des Eierstockkrebses gibt es bisher nur begrenzt Therapiemöglichkeiten.
Hochgradig bezieht sich auf das Staging, d.h. die Stadieneinteilung und Ausbreitung des Primärtumors.
Seröser, epithelialer Eierstock-Krebs geht von den Zellen aus, die die äußeren Oberflächen des Eierstocks oder Eileiters bilden.
Es muß zu einem hohen Prozentsatz der Folatrezeptor Alpha existieren. Dafür bedarf es Untersuchung des Tumorgewebes der Erst-OP oder eventuell sogar einer Neugewinnung (mittels z.B. Biopsie) von Tumorgewebe.
Die Gabe dieses Medikaments erfordert eine intensive Aufklärung und Beratung durch den Behandler.
Aktuell wird in der GLORIOSA-Studie Mirvetuximab Soravtansine auch für Platinsensible Tumoren getestet.
Fazit
Das ADC Mirvetuximab Soravtansine ist ein wirklicher Therapiefortschritt bei der Behandlung des Ovarialkarzinoms.
Generell stellen Antikörper-Wirkstoff-Konjugate einen vielversprechenden Fortschritt in der Krebsbehandlung dar. Sie kombinieren die gezielte Therapie von Antikörpern mit der Wirksamkeit von Chemotherapeutika, um Krebszellen effektiver zu bekämpfen. Obwohl sie beträchtliche Nebenwirkungen haben können, bieten sie vielen Patienten eine neue Hoffnung im Kampf gegen den Krebs. Die Forschung auf diesem Gebiet geht weiter, und neue ADCs werden ständig entwickelt, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, dass Patienten eng mit ihrem medizinischen Team zusammenarbeiten, um die beste Therapieoption für ihre spezifische Situation zu finden.
Zurzeit wird bereits ein weiteres ADC gegen Eierstockkrebs, Tub 040 (der Hersteller heisst „Tubulis“), in der Napi Star Studie erprobt.
Erhaltungstherapie
Die Erhaltungstherapie ist nach Operation und Chemotherapie die dritte wichtige Säule in der Therapie des Eierstockkrebs, die jeder Patientin mit einem fortgeschrittenen Tumorstadium angeboten werden sollte.
Mit der Einführung der Erhaltungstherapien konnten: die Behandlungsergebnisse zur Tumorkontrolle in den letzten Jahren erheblich verbessert werden. Neben der Tumorkontrolle sind Aspekte der Lebensqualität, die mit der Symptomkontrolle eng verzahnt ist, von besonderer Bedeutung.
WAS IST EINE ERHALTUNGSTHERAPIE?
— Bei der Erhaltungstherapie geht es darum, die Tumorkontrolle der vorangegangenen Chemotherapie zu erhalten oder zu stabilisieren.
— Die Erhaltungstherapie wird grundsätzlich über einen längeren Zeitraum gegeben.
— Die Englische Bezeichnung lautet: „Maintenance Therapy“
DIE BEDEUTUNG DER ERHALTUNGSTHERAPIE
— Die in der Erhaltungstherapie eingesetzten Substanzen ermöglichen erstmals eine Langzeittherapie nach erfolgter Chemotherapie.
— Die Erhaltungstherapie bietet die Chance, aus der lebensbedrohlichen Krankheit eine chronische zu machen – also eine Erkrankung, die zwar in der Regel schwer heilbar ist, diese jedoch länger leben oder überleben können.
ÜBERBLICK ÜBER DIE Medikamente der MEDIKAMENTÖSEN ERHALTUNGSTHERAPIE
Antikörpertherapie (Bevacizumab)
PARP-Inhibitoren / PARP-Hemmer
(bspw. Niraparib, Olaparib, Rucaparib)
Mögliche Nebenwirkungen
... Bevacizumab bewirkt, dass Krebszellen ihre Fähigkeit verlieren, neue Gefäße zu bilden. Die Folge: Das Tumorwachstum und die Verbreitung der Tumorzellen können so gestoppt werden.
- Nach Beendigung der Chemotherapie wird die Antikörpertherapie für ein weiteres Jahr fortgesetzt.
So wird auch verfahren bei Patientinnen, die ein Rezidiv erfahren haben und vorher keine derartige Behandlung hatten. Die Antikörpertherapie erfolgt dann ohne zeitliche Vorgabe, solange Wirksamkeit (fehlen- des Tumorwachstum) und Verträglichkeit gegeben sind. Sie wirdüber die Vene (ambulant) gegeben.
Nebenwirkungen können sein:
— Bluthochdruck
— Nierenfunktionsstörung
— verzögerte Wundheilung
— Thrombosen und Embolien
- Bildung von Blutgerinnseln in den Gefäßen und plötzliche Verstopfung der Gefäße durch Ablösung der Gerinnsel von der Gefäßwand
WICHTIG ZU WISSEN
Oft sind Nebenwirkungen auch eine Folge der Chemotherapie. Das gilt insbesondere für Fatigue oder Blutarmut, die noch lange nachwirken oder verzögert auftreten können. Außerdem verstärken sich manchmal die verschiedene Nebenwirkungen von Chemotherapie-Zyklus zu Chemotherapie-Zyklus. Man spricht hier von sogenannten kumulativen (anhäufenden) Nebenwirkungen. Jedoch können sie auch unmittelbar mit der Krebserkrankung oder ganz anderen Ursachen zusammenhängen. Die Ärzte führen in den ersten Monaten der Erhaltungstherapie eine sehr enge Kontrolle durch und können so frühzeitig ggf. notwendigen Maßnahmen ergreifen. Kommt es zu Nebenwirkungen, reichen diese Maßnahmen meist aus die Nebenwirkungen zu kontrollieren.
FAKTEN ZUR ERHALTUNGSTHERAPIE MIT PARP-INHIBITOREN/ PARP-HEMMERN (BSPW. NIRAPARIB, OLAPARIB, RUCAPARIB)
Anwendung und Dauer der Therapie:
... PARP-Inhibitoren hemmen ein körpereigenes Enzym, das die Zellen benötigen, um Schädigungen im Erbgut (DNA) zu reparieren, die z.B. durch eine Chemotherapie verursacht worden sein können.
Durch die Hemmung des Enzyms können DNA-Schäden nicht mehr repariert werden. So wird das Wachstum von Krebszellen gestoppt und die Krebszellen sterben ab. Diese Hemmung ist besonders ausgeprägt bei Veränderungen bestimmter Gene im Tumor sowie bei Tumoren, die gut auf die platinhaltige Chemotherapie angesprochen haben.
SEHR WICHTIG: Die Therapie mit PARP-Hemmern kann erst nach Abschluss einer erfolgreichen platinhaltigen Chemotherapie erfolgen. Das heißt, die Chemotherapie muss die Tumorerkrankung erfolgreich kontrolliert haben, sodass keine Anzeichen eines Tumors vorliegen bzw. der Tumor kleiner geworden ist.
... Für die Erstbehandlung eines high-grade epithelialen Tumors ist die Therapie mit PARP-Hemmern nicht nur für Frauen mit einer BRCA-Mutation (nachgewiesen im Blut oder Gewebe) zuge- lassen. Befragen Sie hierzu unbedingt Ihren Arzt! Dauer der Behandlung: insgesamt über einen Zeitraum von 24 Monaten, oder auch länger, wenn der Tumor nach zwei Jahren immer noch nachweisbar aber stabil ist..
... Bei einem Rezidiv besteht eine Zulassung für alle Patientinnen mit high-grade epithelialem Karzinom. Dauer der Behandlung: solange der Tumor nicht gewachsen ist (Progression) oder bis die Medikamente nicht mehr vertragen werden.
... Die Substanzen liegen in Tablettenform vor und werden zuhause eingenommen.
Diese Nebenwirkungen können auftreten:
— Fatigue-Syndrom (Erschöpfung) — Übelkeit/Erbrechen
— Magenschmerzen
— Geschmacksveränderungen
— Durchfälle oder Verstopfung — Appetitverlust
— Blutarmut
— Abfall der Blutplättchen
— Kopfschmerzen
— Bluthochdruck
— Leberwerterhöhung (ohne Einschränkung der Leberfunktion)
... Die Nebenwirkungen sind immer individuell ausgeprägt, jede Frau reagiert anders und individuell auf Medikamente!