Personalisierte Therapien
Die neueste Therapie gegen Eierstockkrebs: ADCs
Was heißt das überhaupt: ADC?
Das ist eine Abkürzung für
Antibody = Antikörper
Drug = Wirkstoff
Conjugate = Konjugat (Verbindung)
Und was genau ist das?
ADCs sind eine relativ neue Art von Medikament, die in der Krebsbehandlung eingesetzt werden. Deren Entwicklung, frühe Forschungsarbeiten und klinische Studien, begannen bereits in den 1980er Jahren. Das erste ADC wurde 2000 zur Behandlung von akuter myeloischer Leukämie zugelassen. Das erste ADC gegen Eierstockkrebs, Mirvetuximab Soravtansine, Handelsname Elahere, wurde im November 2024 in der EU zugelassen.
ADCs bestehen aus drei Bestandteilen:
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Der Antikörper: Dies ist ein Protein, das speziell dafür entwickelt wurde, bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche einer Krebszelle zu erkennen und daran zu binden.
Diese Rezeptoren, auch Antigene genannt, sind häufig spezifische Proteine, die in erhöhten Mengen auf Krebszellen vorkommen.
Übrigens enden Antikörper meist auf „-ab“, was für das englische „antibody“ steht, z..B. Mirvetuximab, Pembrolizumab, Bevacizumab. -
Der Wirkstoff: meist ein Zytostatikum, eine chemische Substanz, die Krebszellen tötet.
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Die Verbindungsstelle zwischen Antikörper und Wirkstoff. Sie wird auch „Linker“ genannt, und sorgt dafür, dass der Wirkstoff nur freigesetzt wird, wenn der Antikörper an der Krebszelle angedockt ist.
Wie wirken die ADCs?
Das Medikament wird, wie die meisten anderen Chemotherapien, als Infusionslösung über die Vene, idealerweise einen Port, gegeben. Nach der Verabreichung bindet der Antikörper an den spezifischen Rezeptor auf den Tumorzellen. Dadurch wird das ganze Konjugat in die Krebszelle aufgenommen. In den Zellen wird der Antikörper abgebaut und somit der zytostatische Wirkstoff freigesetzt. Dieser hemmt die Zellteilung oder setzt andere zellschädigende Mechanismen in Gang, was schließlich zum Zelltod (Apoptose) führt.
Haben ADCs Nebenwirkungen?
Ja, leider.
Nicht nur Krebszellen, sondern auch manche „gesunde“ Zellen „exprimieren“ bestimmte Antigene. Das heißt, Zellen produzieren bestimmte Proteine oder Moleküle und präsentieren diese an ihre Zelloberfläche.
Mirvetuximab Soravtansine bindet an den Folatrezeptor Alpha. Dieser wird oft auf Eierstock-Krebszellen exprimiert. Folatrezeptor Alpha kann jedoch auch auf „schnell wachsendem Gewebe“, wie zum Beispiel auf bestimmten lymphatischen Zellen, oder in geringem Umfang auch auf „normalen“ Zellen vorkommen. So kann der zytostatische Wirkstoff gleichfalls gesunde Zellen töten.
Selten kann es vorkommen, dass sich geringe Mengen Wirkstoff bereits in der Blutbahn vom Antikörper lösen und so Nebenwirkungen verursachen.
Die Nebenwirkungen bisher zugelassener ADCs sind die der herkömmlichen Chemotherapien, jedoch in geringerem Umfang.
Nebenwirkungen können sein: Blutbildveränderungen, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Müdigkeit, Hautausschläge, Belastungen der Leber.
Eine Besonderheit bei dem ADC Mirvetuximab Soravtansine ist die mögliche Veränderung des Sehvermögens, was jedoch mit regelmäßig angewandten Augentropfen beherrschbar ist.
Wann bekomme ich Mirvetuximab Soravtansine als Therapie?
Dieser ADC, Elahere, ist aktuell nur für platinresistenten, hochgradigen, serösen, epithelialen Eierstockkrebs zugelassen, der Folatrezeptor Alpha positiv ist. Ferner müssen die Patientinnen mindestens eine vorherige Behandlung erhalten haben.
Platinresistent bedeutet, das der Tumor nicht mehr auf platinhaltige Chemotherapeutika anspricht. Für diese Form des Eierstockkrebses gibt es bisher nur begrenzt Therapiemöglichkeiten.
Hochgradig bezieht sich auf das Staging, d.h. die Stadieneinteilung und Ausbreitung des Primärtumors.
Seröser, epithelialer Eierstock-Krebs geht von den Zellen aus, die die äußeren Oberflächen des Eierstocks oder Eileiters bilden.
Es muß zu einem hohen Prozentsatz der Folatrezeptor Alpha existieren. Dafür bedarf es Untersuchung des Tumorgewebes der Erst-OP oder eventuell sogar einer Neugewinnung (mittels z.B. Biopsie) von Tumorgewebe.
Die Gabe dieses Medikaments erfordert eine intensive Aufklärung und Beratung durch den Behandler.
Aktuell wird in der GLORIOSA-Studie Mirvetuximab Soravtansine auch für Platinsensible Tumoren getestet.
Fazit
Das ADC Mirvetuximab Soravtansine ist ein wirklicher Therapiefortschritt bei der Behandlung des Ovarialkarzinoms.
Generell stellen Antikörper-Wirkstoff-Konjugate einen vielversprechenden Fortschritt in der Krebsbehandlung dar. Sie kombinieren die gezielte Therapie von Antikörpern mit der Wirksamkeit von Chemotherapeutika, um Krebszellen effektiver zu bekämpfen. Obwohl sie beträchtliche Nebenwirkungen haben können, bieten sie vielen Patienten eine neue Hoffnung im Kampf gegen den Krebs. Die Forschung auf diesem Gebiet geht weiter, und neue ADCs werden ständig entwickelt, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, dass Patienten eng mit ihrem medizinischen Team zusammenarbeiten, um die beste Therapieoption für ihre spezifische Situation zu finden.
Zurzeit wird bereits ein weiteres ADC gegen Eierstockkrebs, Tub 040 (der Hersteller heisst „Tubulis“), in der Napi Star Studie erprobt.