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Erhaltungstherapie

Die Erhaltungstherapie ist nach Operation und Chemotherapie die dritte wichtige Säule in der Therapie des Eierstockkrebs, die jeder Patientin mit einem fortgeschrittenen Tumorstadium angeboten werden sollte.
Mit der Einführung der Erhaltungstherapien konnten: die Behandlungsergebnisse zur Tumorkontrolle in den letzten Jahren erheblich verbessert werden. Neben der Tumorkontrolle sind Aspekte der Lebensqualität, die mit der Symptomkontrolle eng verzahnt ist, von besonderer Bedeutung.

Was ist eine Erhaltungstherapie?

  • Bei der Erhaltungstherapie geht es darum, die Tumorkontrolle der vorangegangenen Chemotherapie zu erhalten oder zu stabilisieren.
  • Die Erhaltungstherapie wird grundsätzlich über einen längeren Zeitraum gegeben.
  • Die Englische Bezeichnung lautet: „Maintenance Therapy“

Die Bedeutung der Erhaltungstherapie

  • Die in der Erhaltungstherapie eingesetzten Substanzen ermöglichen erstmals eine Langzeittherapie nach erfolgter Chemotherapie.
  • Die Erhaltungstherapie bietet die Chance, aus der lebensbedrohlichen Krankheit eine chronische zu machen – also eine Erkrankung, die zwar in der Regel schwer heilbar ist, diese jedoch länger leben oder überleben können.

Nebenwirkungen – wichtig zu wissen

Nebenwirkungen sind immer individuell ausgeprägt, jede Frau reagiert anders und individuell auf Medikamente! Oft sind Nebenwirkungen auch eine Folge der Chemotherapie. Das gilt insbesondere für Fatigue oder Blutarmut, die noch lange nachwirken oder verzögert auftreten können. Außerdem verstärken sich manchmal die verschiedene Nebenwirkungen von Chemotherapie-Zyklus zu Chemotherapie-Zyklus. Man spricht hier von sogenannten kumulativen (anhäufenden) Nebenwirkungen. Jedoch können sie auch unmittelbar mit der Krebserkrankung oder ganz anderen Ursachen zusammenhängen. Die Ärzte führen in den ersten Monaten der Erhaltungstherapie eine sehr enge Kontrolle durch und können so frühzeitig ggf. notwendigen Maßnahmen ergreifen. Kommt es zu Nebenwirkungen, reichen diese Maßnahmen meist aus die Nebenwirkungen zu kontrollieren.

Quelle: Deutsche Stiftung Eierstockkrebs

Überblick: medikamentöse Erhaltungstherapie

Antikörpertherapie (Bevacizumab)

Zunächst ein kurzer Überblick: Bevacizumab bewirkt, dass Krebszellen ihre Fähigkeit verlieren, neue Gefäße zu bilden. Die Folge: Das Tumorwachstum und die Verbreitung der Tumorzellen können so gestoppt werden. 
Nach Beendigung der Chemotherapie wird die Antikörpertherapie für ein weiteres Jahr fortgesetzt. So wird auch verfahren bei Patientinnen, die ein Rezidiv erfahren haben und vorher keine derartige Behandlung hatten. Die Antikörpertherapie erfolgt dann ohne zeitliche Vorgabe, solange Wirksamkeit (fehlendes Tumorwachstum) und Verträglichkeit gegeben sind. Sie wird über die Vene (ambulant) gegeben.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Bluthochdruck
  • Nierenfunktionsstörung
  • verzögerte Wundheilung
  • Thrombosen und Embolien
  • Bildung von Blutgerinnseln in den Gefäßen und plötzliche Verstopfung der Gefäße durch Ablösung der Gerinnsel von der Gefäßwand

Ihre Behandlung, Ihre Entscheidung!

    Bei Bevacizumab handelt es sich um ein Medikament zur Behandlung verschiedener, fortgeschrittener oder bereits metastasierter Krebsarten und anderer Erkrankungen. 
    Laut Leitlinie für Eierstockkrebs wird Bevacizumab in Deutschland nur für die Erst- oder Zweit-Linien-Behandlung von der Krankenkasse bezahlt und nur für eine dieser Linien. In weiteren Therapielinien kann B im Off-Label-Use-Verfahren erneut eingesetzt werden. Daher lassen Sie sich gut beraten, ob und zu welchem Zeitpunkt Sie diese Option für Ihre Erhaltungstherapie wählen möchten.

    Wir wissen, wie schwierig es sein kann, eine fundierte Entscheidung über eine solche Therapie zu treffen. Deshalb haben wir diese Infoseite mit Basis-Informationen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – für Sie zusammengestellt.
    Wir hoffen, dass sie Ihnen dabei hilft, gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung zu treffen.

    Allgemeines

    Der Wirkstoff Bevacizumab ist ein zielgerichtetes Arzneimittel zur Krebstherapie und anderer Erkrankungen. Es wird in der Krebsbehandlung meist in Kombination mit Chemotherapeutika (Zytostatika) eingesetzt - oder alleine als Erhaltungstherapie nach der Chemotherapie. Zugelassene Anwendungsgebiete sind unter anderem:

    • Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs, insbesondere high-grade seröse Typen)
    • Kolon- oder Rektumkarzinom (Darmkrebs)
    • Fortgeschrittener nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
    • Metastasierter Nierenzellkrebs
    • Gebärmutterhalskrebs, der persistiet, rezidiviert oder metastasiert ist
    • Glioblastom (bösartiger Hirntumor)

    Der Wirkstoff Bevacizumab war früher als „Avastin“ (Handelsname) bekannt. In der Zwischenzeit ist das Patent für das Original abgelaufen und es sind mehrere „Biosimilars“ erhältlich – also Nachahmerpräparate mit dem gleichen Wirkstoff Bevacizumab, jedoch von anderen Herstellern und mit anderen Handelsnamen.

    Bevacizumab beim Ovarialkarzinom

    Bevacizumab kann beim Eierstockkrebs in der Erstlinien-Behandlung eingesetzt werden, und zwar in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel, ab dem FIGO Stadium III. Bevacizumab kann auch weiterführend nach dem Einsatz mit einer Chemo-Therapie:

    • alleine als Erhaltungstherapie verwendet werden
    • in Kombination mit einem PARP-Inhibitor als Erhaltungstherapie eingesetzt werden, derzeit ausschließlich bei BRCA-mutierten Tumoren oder Homologer Reparatur Defizienz (HRD)

    Bevacizumab ist verschreibungspflichtig. Die Behandlung muss durch einen Arzt / ein Ärztin mit Erfahrung in der gynonkologischen Therapie erfolgen.

    Bei Ovarialkrebs im FIGO-Stadium I oder II wird Bevacizumab nicht verordnet, da der absolute Nutzen sehr gering ist und die potenziellen Risiken überwiegen – in diesen Fällen ist es auch keine Kassenleistung! Es ist in den fortgeschrittenen Stadien FIGO III–IV parallel zur Chemotherapie und dann als Erhaltungstherapie zugelassen.

    In verschiedenen Studien wurde erwiesen, dass Bevacizumab in den letztgenannten Stadien das progressionsfreie Überleben (jedoch nicht die Gesamtüberlebenszeit) verlängert. Ebenso wurde nachgewiesen, dass Bevacizumab die Lebensqualität, zwar in relativ geringem Maß, aber doch deutlich nachweisbar, verschlechtert.

    Was ist Bevacizumab und wie wirkt es?

    In Kürze: Bevacizumab soll die Gefäßneubildung verhindern. Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der mittels DNA-Technologie hergestellt wird – unter anderem unter Verwendung von CHO-Zellen (Zelllinien aus Ovarialzellen des chinesischen Hamsters). Er wurde so konzipiert, dass er den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (Vascular Endothelial Growth Factor = VEGF) – ein Protein, das im Blut zirkuliert und das Wachstum von Blutgefäßen bewirkt – erkennt und daran bindet. Tumore bilden vermehrt VEGF, um so ihre eigene Blutversorgung zu sichern. 
    Die Bildung neuer Blutgefäße heißt „Angiogenese“; so wird Bevacizumab manchmal auch als Angiogenesehemmer bezeichnet. Durch die Bindung an VEGF verhindert Bevacizumab, dass der Wachstumsfaktor seine Wirkung entfaltet. Dadurch wird verhindert, dass die Krebszellen ihre eigene Blutversorgung entwickeln und an andere Blutgefäße andocken, so das Tumore nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Ziel der Behandlung ist ein gehemmtes Tumorwachstum.
    Des weiteren ist VEGF ebenfalls für die „Durchlässigkeit“ der Gefäße zuständig. Bei starker VEGF-Aktivität werden sie Gefäße „leck“ – vergleichbar mit einem löchrigen Gartenschlauch. Durch diese erhöhte Durchlässigkeit kann zu Flüssigkeitsansammlungen im Körper kommen, z.B.

    • Ascites („Bauchwasser“)
    • Pleura-Ergüße (vermehrte Flüssigkeit zwischen dem Lungen- und dem Rippenfell)
    • Pericard-Ergüße (vermehrt Flüssigkeit im Herzbeutel)

    Diese „Wasseransammlungen“ schränken die betroffenen Organe mehr oder weniger stark in ihrer Wirkung ein. So können Verdauungsschwierigkeiten bei Ascites oder Luftnot bei Pleura-Ergüßen ein Symptom sein. Bevacizumab kann helfen, dies zu reduzieren – man spricht auch von einer „austrocknenden“ Wirkung.

    Nebenwirkungen und Risiken

    Häufige Nebenwirkungen dieses Medikaments können unter anderem sein:

    • Bluthochdruck (VEGF spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Gefäßtonus)
    • Müdigkeit
    • Kopfschmerzen
    • Durchfall
    • Übelkeit, Erbrechen
    • Bauchschmerzen
    • Knochenschmerzen
    • leichte Blutungen (z.B. Nasenbluten)
    • Proteinurie (Eiweiß im Urin) --> daher muss der Urin vor jeder Infusion mit einem Teststreifen untersucht werden

    Zu den ernsteren Risiken gehören:

    • Magen-Darm-Durchbrüche
    • schwere Blutungen (VEGF hemmt nicht nur das Wachstum neuer Blutgefäße, sondern es ist auch für die Erhaltung und Stabilität bestehender Blutgefäße wichtig)
    • Thrombosen und Embolien (Lungenembolie, Herzinfarkt, Schlaganfall, Beinvenenthrombose)
    • Nierenprobleme (VEGF spielt auch in der Niere eine wichtige Rolle)
    • Wundheilungstörungen --> Zu den Wundheilungsstörungen sei angemerkt, dass „kleinere“ Wunden (z.B. Blutabnahme, Papierschnitt) meist problemlos, jedoch vielleicht etwas verlangsamt, abheilen. Die jeweiligen Wunden bitte gut beobachten!

    Falls eine OP (z.B. eine Zahn-OP) geplant ist, wird Bevacizumab mindestens 4-6 Wochen vor der OP pausiert und frühestens 4-6 Wochen nach der OP wieder gegeben.
    Bei größeren Wunden immer den Arzt informieren und sofort mit der Behandlung mit Bevacizumab pausieren!
    Eine vollständige Liste aller Nebenwirkungen finden Sie in der Fachinformation zu Bevacizumab im Internet.

    Wenn Sie während Ihrer Behandlung mit dem Nebenwirkungsmanagement unzufrieden sein sollten, wenden Sie sich an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrum. Dort erhalten Sie neutrale medizinische Hilfestellungen auf Ihre persönlichen Fragen per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder telefonisch von 8-20 Uhr unter 0800-4203040 (kostenlos).

    Anwendung und Dosierung

    Bevacizumab wird in Deutschland als Erhaltungstherapie verordnet. Erhaltungstherapie bedeutet, dass der Status, der durch Operation und Chemotherapie erreicht wurde, aufrecht erhalten werden soll. Dies soll durch die Verhinderung von Gefäßneubildung bewirkt werden. Bevacizumab wird als Infusion in eine Vene verabreicht:

    • Die erste Gabe erfolgt langsam über 90 Minuten.
    • Wenn diese gut vertragen wird, können die folgenden Infusionen über 60 oder 30 Minuten verabreicht werden.
    • Die Dosis liegt bei 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht bei Eierstockkrebs.
    • Die Infusion erfolgt in der Regel alle drei Wochen.
    • Die Therapie in der Erstlinie ist über 15 Monate, bzw. 22 Gaben, vorgesehen.

    In der Rezidivsituation wird Ihre Gyn-Onkologin regelmäßig prüfen und mit Ihnen besprechen, ob die Behandlung fortgeführt, pausiert oder beendet werden soll.

    Fazit

    Bevacizumab ist ein wirksames Medikament zur Behandlung verschiedener Tumore, insbesondere des fortgeschrittenen Eierstockkrebs und kann Nebenwirkungen hervorrufen, die medizinisch begleitet werden müssen. Es ist nicht für alle Patientinnen geeignet. Nicht angewendet werden darf es bei:

    • Allergie gegen Bevacizumab oder Bestandteile des Medikaments
    • Überempfindlichkeit gegen CHO-Zellprodukte (z.B. aus Hamsterzellen)
    • Schwangerschaft

    Die Entscheidung für oder gegen Bevacizumab sollte stets individuell getroffen werden – gemeinsam mit Ihrem ärztlichen Team. Insbesondere, wenn als weitere Erhaltungstherapie-Option die sogenannten Parp-Inhibitoren bei Ihnen in Frage kommen können. Besprechen Sie dies ausführlich mit Ihrem gyn-onkologischen Behandlungsteam.


    HINWEIS 
    Dieser Beitrag dient nur der Basisinformation und ersetzt nicht das ärztliche Beratungsgespräch. Sprechen Sie offen mit Ihrer Gyn-Onkologin oder Ihrem Gyn-Onkologen über Nutzen, Risiken und Alternativen. (Stand: 10/2025)

    PARP-Inhibitoren

    PARP-Inhibitoren hemmen ein körpereigenes Enzym, das die Zellen benötigen, um Schädigungen im Erbgut (DNA) zu reparieren, die z.B. durch eine Chemotherapie verursacht worden sein können. Durch die Hemmung des Enzyms können DNA-Schäden nicht mehr repariert werden. So wird das Wachstum von Krebszellen gestoppt und die Krebszellen sterben ab. Diese Hemmung ist besonders ausgeprägt bei Veränderungen bestimmter Gene im Tumor sowie bei Tumoren, die gut auf die platinhaltige Chemotherapie angesprochen haben.

    WICHTIG: Die Therapie mit PARP-Hemmern kann erst nach Abschluss einer erfolgreichen platinhaltigen Chemotherapie erfolgen. Das heißt, die Chemotherapie muss die Tumorerkrankung erfolgreich kontrolliert haben, sodass keine Anzeichen eines Tumors vorliegen bzw. der Tumor kleiner geworden ist.

    Für die Erstbehandlung eines high-grade epithelialen Tumors ist die Therapie mit PARP-Hemmern nicht nur für Frauen mit einer BRCA-Mutation (nachgewiesen im Blut oder Gewebe) zugelassen. Befrage hierzu unbedingt Deinen Arzt! Dauer der Behandlung: insgesamt über einen Zeitraum von 24 Monaten, oder auch länger, wenn der Tumor nach zwei Jahren immer noch nachweisbar aber stabil ist.

    Bei einem Rezidiv besteht eine Zulassung für alle Patientinnen mit high-grade epithelialem Karzinom. Dauer der Behandlung: solange der Tumor nicht gewachsen ist (Progression) oder bis die Medikamente nicht mehr vertragen werden. Die Substanzen liegen in Tablettenform vor und werden zuhause eingenommen.

    Mögliche Nebenwirkungen:

    • Fatigue-Syndrom (Erschöpfung)
    • Übelkeit/Erbrechen
    • Magenschmerzen
    • Geschmacksveränderungen
    • Durchfälle oder Verstopfung
    • Appetitverlust
    • Blutarmut
    • Abfall der Blutplättchen
    • Kopfschmerzen
    • Bluthochdruck
    • Leberwerterhöhung (ohne Einschränkung der Leberfunktion)

    Zusätzliche Informationen

    Das Manual ist nicht mehr ganz aktuell (von 2019), wir möchten es euch unter Vorbehalt dennoch als Informationsquelle nicht vorenthalten, denn es hat gute Abbildungen und Erklärungen zur Wirkweise. Die Anwendungsgebiete können aber mittlerweile variieren.

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